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Beispieltext für das
Reformpädagogik-Archiv
- Reformpädagogik -
Archiv
- 4.2 Freiarbeit -
Verschiedene Formen der Freiarbeit
-
- © Reformpädagogischer Verlag Jörg
Potthoff - Freiburg 2001
-
- Die aktuelle Diskussion über eine
reformpädagogisch orientierte kindgerechte Weiterentwicklung der Schule
wird besonders unter dem Begriff „Freiarbeit“ geführt. Dabei lassen
sich folgende Grundformen von Freiarbeit unterscheiden:
-
- 1. Freie geistige
Schularbeit
-
- Im Jahre 1904 fordert Hugo Gaudig
freie geistige Schularbeit als ein allen Unterricht durchziehendes
Prinzip für alle Schularten und Altersjahrgänge. Um das zu ermöglichen,
muss der Schüler selbstständig arbeiten und Arbeitstechniken
beherrschen lernen, Gaudig sagt: Methode haben.
- Das Gewinnen von
Arbeitstechniken kann in Einschulungskursen (Petersen) oder im
günstigsten Fall über „tastendes Versuchen“ (Freinet) und Reflexion des
eigenen Vorgehens (Arbeitsrückschau) erfolgen. Ziel ist, den Schüler
frei zu machen von der Motivation durch den Lehrer, seiner Zielangabe,
seiner Kontrolle der Arbeitsschritte und seiner Überprüfung des
Gesamtergebnisses.
- Der Schüler soll vielmehr sein
Lernen selbst bestimmen, projektieren und beurteilen.
- Freie geistige Schularbeit wird
bei Unterrichtsgesprächen realisiert, bei denen die Lehrkraft in den
Hintergrund tritt, aber auch bei freien Aufsätzen („freies Schreiben“
bei Freinet) oder freier Lektüre. Sie hat ihren Platz aber auch in den
kurzen Unterrichtsphasen, in denen die Lehrkraft die Schüler aus der
methodischen Führung freigibt, damit individuelle sinnerschließende
Lernakte möglich werden.
- Siehe auch: Archiv - Personen -
Hugo Gaudig
- Archiv - Personen - Peter
Petersen
- Archiv - Personen - Célestin
Freinet
-
- 2.
Materialgebundene Freiarbeit
-
- Bei der materialgebundenen
Freiarbeit steuert die Lehrkraft den Unterricht indirekt, indem sie mit
vorgefertigten Unterrichtsmaterialien eine sehr anregende Lernumgebung
gestaltet, aus der jeder Schüler das seinem individuellen Lernbedürfnis
besonders entgegenkommende Material frei auswählen kann. Die
didaktischen und methodischen Überlegungen, die bei der Vorbereitung
des herkömmlichen Unterrichts für die ganze Klasse angestellt werden,
gehen nun in die Gestaltung der Selbstbildungsmaterialien ein, die
Aufforderungscharakter haben, das Lernziel erkennen lassen, Lernen mit
vielen Sinnen und auf alternativen Wegen anregen sowie die Kontrolle
der einzelnen Lernschritte und des Gesamtergebnisses durch den Schüler
ermöglichen.
- Materialgebundene Freiarbeit,
bei der die Schüler ihr Arbeitstempo, die Pausen, die Zahl der
Wiederholungen selbst bestimmen können, eignet sich zum Üben und
Wiederholen, aber auch zum selbstständigen Erarbeiten neuer
Lerninhalte. Sie verdrängt nicht den herkömmlichen Unterricht, sondern
ist eine Ergänzung der traditionellen Unterrichtsformen.
-
- Klassische Formen
und situative Varianten
- der
materialgebundenen Freiarbeit
-
- a) Freie
Stillarbeit
- Bei der klassischen Stillarbeit
verteilt der Lehrer die Aufgaben und überprüft die Ergebnisse. Es
werden Arbeitsmittel und verschiedene Arbeitsmethoden eingesetzt, die
den unterschiedlichen Lernmöglichkeiten der Kinder entgegenkommen und
relativ selbstständige Schülerarbeit ermöglichen.
- Die Freie Stillarbeit, wie sie
an vielen Schulen katholisch-kirchlicher Trägerschaft praktiziert wird,
entspricht am ehesten Montessoris Gedankengängen von der indirekten
Erziehung mit Hilfe vorgefertigter Materialien. Die Lehrkraft gestaltet
eine „vorbereitete Umgebung“, in der nach gründlicher Beobachtung für
jedes Kind das Arbeitsmaterial bereitsteht, das es in seiner
augenblicklichen Entwicklungsphase braucht. Es geht bei dieser
selbstständigen Arbeit nur sekundär um das Erreichen eines schulischen
Lernziels. Viel wichtiger ist der Arbeitsprozess, der u. U. mehrfach
wiederholt wird, bis Könnerschaft erreicht ist und dadurch beim Kind
ein Entwicklungsschritt erfolgt. Da die Entwicklung in individuell
unterschiedlichen Schüben erfolgt und unterschiedlich viel Zeit in
Anspruch nimmt, ist diese Form der Freiarbeit zwangsläufig eine
Einzelarbeit und kann deshalb Stillarbeit sein. (Vgl. Montessori, Das
kreative Kind)
- Die in der Gegenwart im
Marchtaler Plan, der in der Diözese Rottenburg für die Schulen in
katholischer Trägerschaft die Arbeitsgrundlage bildet, verankerte
„freie Stillarbeit“, die sich stark an der Montessori-Pädagogik
orientiert, vermittelt zwischen der am kindlichen Interesse
orientierten Freiarbeit und einer Lehrerführung.
- b) Kommunikative
Freiarbeit
- Bei der Kommunikativen Freiarbeit
wird den Anregungen besonderer Wert beigemessen, die in den Fragen,
Ideen, Vermutungen und skeptischen Äußerungen eines Lernpartners liegen
können. Der Zwang, dem Partner gegenüber die eigenen Denkprozesse ins
Wort heben zu müssen und sich ihrer dabei bewusst zu werden, kann das
Lernen sehr intensivieren. Von ebenso großer Bedeutung ist es aber, bei
der gemeinsamen Arbeit aufeinander Rücksicht nehmen zu müssen,
gemeinsam Lernstrategien zu entwickeln, sich gegenseitig zu
korrigieren, zu kooperieren. Bei der Kommunikativen Freiarbeit, bei der
die Gruppengröße zwei bis vier Schüler beträgt, kann es, auch wenn sehr
leise gesprochen wird, natürlich nicht so leise sein wie in der Freien
Stillarbeit. Historisch betrachtet knüpft die Kommunikative Freiarbeit
an Petersens Vorstellungen an, der die Entwicklung des Individuums im
Rahmen der Gemeinschaft ermöglichen wollte und dabei in enger
Verwandtschaft zu Freinets pädagogischen Absichten steht. (Vgl.:
Petersen, Der Kleine Jena-Plan)
- Vielen Lehrkräften erscheint es
günstig, wenn die Schüler/innen in der jeweiligen Lernsituation selbst
entscheiden können, ob sie allein oder zusammen mit anderen arbeiten
wollen.
-
- c) Sachbezogene
Freiarbeit
- Freiarbeit in der Schule kann
Elemente der Freien Stillarbeit und der Kommunikativen Freiarbeit z. B.
in der Weise aufgreifen, dass bei einem zweistündigen Freiarbeitsblock
mit 30 Minuten Einzelarbeit in Form der Freien Stillarbeit begonnen und
daran anschließend zur Kommunikativen Freiarbeit übergegangen wird oder
am Anfang der Freiarbeitsphase ein Pflichtprogramm steht, das von allen
Schülern bearbeitet werden muss. Entscheidend wird aber die relativ
enge Bindung der Freiarbeit an die Lehrplanvorgaben sein müssen. Von
den Lehrplanstoffen her ist zu entscheiden, ob sie besser in
selbstständiger Einzelarbeit, Partner- oder Kleingruppenarbeit gelernt
und geübt werden können oder ob der lehrergeführte Unterricht
angebracht ist. Aufgrund der Entscheidung darüber, ob Überblickswissen
vermittelt werden soll, Fakten angeeignet werden müssen, Einblick in
Sachverhalte gewonnen, Meinungen gebildet, Gelerntes gefestigt etc.
werden soll, wird Material für die Einzel-, Partner- oder
Kleingruppenarbeit bereitgestellt.
- d) Offene
Freiarbeit
-
- Wie Freiarbeit in einer Klasse
gestaltet wird, kann sich zwar an historischen oder neu entwickelten
Modellen orientieren, richtet sich aber letztlich nach der Situation in
der Klasse, nach dem Fach, der speziellen Thematik, der
Selbstständigkeit der Schüler/innen, ihrem Vorwissen, der Beherrschung
von Arbeitstechniken, den Entscheidungen der Lehrkraft. So kann die
Lehrkraft, die während der Freiarbeitsstunde ja von der direkten
Unterrichtsführung entlastet ist, mit einer kleinen Gruppe von
Schülern, die direkte Lernhilfe brauchen, an der Tafel, im kleinen
Gesprächskreis, am Modell etc. arbeiten, während das Gros der Klasse
völlig selbstständig mit Hilfe von Selbstbildungsmitteln arbeitet. Die
Lehrkraft kann ebenso tüchtigen Schülern Tipps für die Vertiefung oder
Weiterführung des bearbeiteten Themas geben; denn Freiarbeit ist ja
keine Methode speziell für die schwachen Schüler, sondern eine
vorzügliche Möglichkeit zur Förderung jeder Begabung.
- Selbstverständlich kann der
Computer eingesetzt werden, wenn mit seiner Hilfe Sachverhalte
besonders gut gelernt oder dargestellt werden können. Aber es werden
während der Freiarbeitsphase im Regelfall nur zwei oder drei Computer
bereitgestellt, so dass sie, wie alles, was in den Rahmen der
Freiarbeit einbezogen wird, keine ungerechtfertigte Dominanz erhalten,
sondern als Hilfsmittel für die Realisierung eigener Ideen oder für das
Training noch nicht gut beherrschter unterrichtlicher Anforderungen
dienen.
-
- aus: Willy Potthoff, Einführung
in die Reformpädagogik, Freiburg 20003, S. 177 - 180
-
- Lit.: Maria Montessori, Das
kreative Kind, Hg. P. Oswald und G. Schulz-Benesch,
Freiburg 1973
- Peter Petersen, Der Kleine
Jena-Plan, Weinheim und Basel 1980 56/60
-
Arbeit mit dem Wochenplan
-
- Die
Lehrkraft legt die in einer Woche von den Schülern selbstständig zu
erarbeitenden oder zu übenden Inhalte in einem Klassen-Wochenplan fest,
der den Schülern ausgehändigt wird. Jeder Schüler legt sodann fest, an
welchem Tag der Woche er welche verpflichtenden Inhalte bearbeiten
will, und gibt dem Lehrer und den Mitschülern nach Ablauf der Woche
Rechenschaft über seine Leistungen.
- Dieses
Verfahren kann zu einer starken Gängelung der Schüler führen, wenn das
Pflichtpensum die gesamte Freiarbeitszeit der Woche ausfüllt. Zwar ist
die Möglichkeit des individuellen Arbeitstempos und die Entscheidung
gegeben, an welchem Tag der Schüler die Arbeit erledigt. Von den
Vorzügen der Freiarbeit ist dieses Verfahren jedoch weit entfernt.
- Das wird
anders, wenn beim Wochenplanunterricht nur ein geringer Teil der
Arbeitszeit mit den für alle Schüler in gleicher Weise verpflichtenden
Aufgaben ausgefüllt ist, daneben aber individuell festgelegte
Pflichtteile bestehen und vor allem größere Zeitspannen offen bleiben,
in denen der Schüler wie in der Freiarbeit seine Arbeiten selbst
auswählen und verantworten kann und sich spontan für bestimmte Aufgaben
und ein längeres Verweilen bei den ihn besonders interessierenden oder
intensiver zu übenden Arbeiten entscheiden kann. Für Erst- und
Zweitklässler werden noch keine Wochenpläne aufgestellt, da diese
Kinder mit der selbstständigen Aufteilung ihrer Arbeiten auf eine ganze
Woche überfordert wären. Tages- und Zweitagespläne führen die Erst- und
Zweitklässler an die Wochenplanarbeit heran, die den Vorteil hat, dass
die Schüler ihre Arbeiten projektieren lernen und in die Verantwortung
für ihr eigenes Lernen hineinwachsen.
- Eine
Kontrolle der in den Freiarbeitsstunden geleisteten Schülerarbeiten mit
Hilfe eines in der Klasse ausgehängten Kontrollbogens, bei dem auf der
einen Achse die Namen aller Schüler und auf der anderen Achse alle
Materialien verzeichnet stehen, ist völlig abzulehnen. Die Hersteller
solcher Kontrollbögen haben den Sinn einer an den Lernbedürfnissen und
Lernfähigkeiten der Schüler orientierten Freiarbeit nicht begriffen.
Freiarbeit in dem von uns verstandenen Sinn bedeutet ja gerade nicht,
dass alle Schüler alle vorhandenen Materialien bearbeiten, wie es die
genannten Kontrollbögen nahelegen. Die bei den Namen einzelner Schüler
noch freien Felder dieser Kontrollbögen lösen eine völlig unsinnige
Motivation oder einen unverantwortlichen Druck aus. Indem diese
Kontrollbögen suggerieren, dass alle Aufgaben abgearbeitet werden
müssen, zementieren sie ein Verständnis von Lernen, das mit der
Freiarbeit gerade überwunden werden soll.
-
- aus: Willy Potthoff, Grundlage
und Praxis der Freiarbeit, Freiburg 1995 5, S. 63 f.
-
- Elementare
Situationen im Schulleben
-
I. Zum Begriff der elementaren Situation
-
- Als elementare Situationen sollen
hier die Phasen des Schulunterrichts bezeichnet werden, die nicht durch
konkrete 'Lehr- oder Erziehungsabsichten bestimmt sind. Es sind die
Freiräume des Schultages, in denen Kinder und Jugendliche ihre
ursprünglichen und aktuellen Interessen und Bedürfnisse ausdrücken und
in Handlungen umsetzen können.'
- Obgleich sich diese Situationen
in der Schule ereignen, ist das Geschehen in ihnen primär durch die
außerschulischen Erfahrungen bestimmt. Wenn die Erfahrungsarmut unserer
Zeit beklagt wird, sind vor allem mangelnde Grunderfahrungen mit
Sachverhalten technischer und wirtschaftlicher Lebensbereiche gemeint.
Erfahrungen mit den Menschen, den Institutionen und den Zwängen des
Systems unserer gesellschaftlich vorgeprägten Wirklichkeit machen
Kinder und Jugendliche hingegen in überreichem und oft bedrückendem
Maße. Der am traditionellen Lehrkanon orientierte Schulunterricht
greift solche Erfahrungen kaum auf. Da elementare Situationen ohne
schulische Zielsetzungen bleiben, kann das außerhalb der Schule
Erfahrene hier ohne Umschweife eingebracht werden.
- Mitteilungen können in
unzureichender sprachlicher Form erfolgen und Meinungen ungeschützt
geäußert werden, weil jede Leistungsorientierung und jeder
Leistungsdruck fehlt. So werden Eindrücke und Meinungen freier
geäußert, Empfindungen weniger verborgen und Betroffensein gezeigt,
denn man muss nicht Schüler sein, sondern kann sich so geben, wie man
sich fühlt und wie man empfindet.
- Das Zusammenkommen mit anderen
und das Vorbringen von Problemen und Interessen konstituiert die
Situation und löst Zwänge aus. Nachdem man hinzugekommen ist, ist man
betroffen - auch wenn man einer Frage oder Entscheidung ausweicht,
agiert man und wird wegen dieser Reaktion beurteilt. Damit erweist sich
die elementare Situation nicht nur als Reflexionsfeld außerschulischer
Erfahrungen, sondern auch als eigenes Erfahrungsfeld für den Umgang mit
anderen. Wegen des Fehlens von Lehrzielverpflichtungen übertrifft es
darin die übrigen schulischen Handlungsfelder, in denen Umgang mit
anderen ein Umgang mit anderen bei den spezifischen Formen schulischen
Lernens ist.
- Allerdings können
Schulerfahrungen jederzeit in elementaren Situationen reflektiert
werden, wie auch die Grenze zwischen den ursprünglichen und aktuellen
Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen auf der einen Seite und
Schulanforderungen auf der anderen Seite fließend ist. Es ist möglich,
dass Themen von Unterrichtsstunden die Aktionsfelder elementarer
Situationen bestimmen, allerdings werden dann keine Lernziele verfolgt,
sondern persönliche Interessen.
- Da sich die hier vorgestellten
elementaren Situationen in Schulen ereignen, bleiben sie nicht ohne
Einflüsse der Struktur dieser Institution. So wirken die räumlichen
Vorgegebenheiten, die Art und Weise, in der hier Menschen miteinander
umgehen, die Zahl der Beteiligten und die zeitliche Dauer der Freiräume
auf die Struktur der elementaren Situationen ein.
- Die zeitliche Dauer der
elementaren Situationen bestimmt sich für uns aus dem Gesamtauftrag der
Schule. Wenn die Herausbildung der voll verantwortlichen und auf
Kooperation angelegten Individualität im Kontext kultureller und
gesellschaftlicher Vorgegebenheiten und damit bestmögliche Bildung des
Individuums und Ausbildung für gesellschaftliche Erfordernisse die
Absicht ist, kann auf längere Phasen lernzielorientierten Unterrichts
ebensowenig verzichtet werden wie auf handlungsorientierte Phasen und
auf Freiräume für elementare Situationen.
- Mit der Abwendung von
Ausbildungsvorstellungen unter reinen Nützlichkeitserwägungen finden
wir uns in einer Tradition, in der z. B. Schleiermacher steht, und bei
Realisierungsvorschlägen, wie sie seit der Reformpädagogik gemacht
wurden, ohne unter derselben Begrifflichkeit zusammengefasst worden zu
sein. Schleiermacher hatte gefordert, die Erziehung solle so
eingerichtet werden, dass in jedem Akt beides sei, „das Ausbilden der
Natur und das Hineinwachsen in das sittliche Leben“, wenn auch jeweils
mit unterschiedlicher Akzentuierung (Schleiermacher, S. 376). Wenn der
Staat und die gesellschaftlichen Gruppen zu ihrer Konsolidierung auch
auf das Heranführen der jungen Generation an die überlieferten Werte
angewiesen sind, so erhoffen sie doch auch eine bestmögliche Ausbildung
der Individualität in ihrer ganzen Vielseitigkeit und den speziellen
Möglichkeiten und Interessen. Nur so ist zu erwarten, „dass der
Einzelne irgendeinen Teil der Aufgabe der Gesellschaft lösen könne“ (a.
a. O., S. 105). Schließlich kann der so gebildete und ausgebildete
Mensch viel selbstständiger und wirkungsvoller in die
gesellschaftlichen Belange eingreifen als der aus einer einseitigen
Ausbildung hervorgehende „nützliche“ Staatsbürger. Das ist wichtig,
weil das Bestehende nicht blind übernommen, sondern einer ständigen
„Verbesserung“, einer Progression, unterzogen werden muss. Dazu müssen
die Lernenden aller Schularten befähigt werden.
-
In elementaren Situationen können Schüler/innen
-
- - ursprüngliche und aktuelle
Bedürfnisse ausdrücken
- außerschulische Erfahrungen verarbeiten
- - mit anderen kooperieren
- - Erfahrungen im Umgang mit
anderen machen
- sich ohne Hemmung äußern
- - Probleme vortragen
- - Meinungen ungeschützt äußern
- Betroffensein zeigen
- - Empfindungen äußern
- - die Folgen des eigenen
Verhaltens erfahren
- eigene Empfindlichkeiten erkennen
- - ohne Leistungsdruck agieren
-
- Elementare
Situationen erfahren ihre Begrenzung
- durch zeitliche Vorgegebenheiten
- - durch räumliche Bedingungen
- - durch Verhaltensnormen der
Institution Schule
- durch die Zahl der Agierenden
- - durch die divergierenden
Interessen der Beteiligten
- Die Grenze zwischen elementaren
Situationen und pädagogischen Situationen ist fließend.
- Eine so angelegte Schulerziehung
ist gegenwartsbezogen und zukunftsbezogen zugleich, geht auf die
individuellen Bedürfnisse und gesellschaftlichen Notwendigkeiten in
gleich verantwortlicher Weise ein. Sie kann weder ausschließlich an
abfragbarem Gebrauchswissen orientiert sein noch Wildwuchs verantworten.
- Sie wird Verpflichtungen und
Freiräume für unabdingbar erachten, nicht als bequemen Kompromiss;
sondern als eine aus der wahrzunehmenden Aufgabe abgeleitete
Notwendigkeit.
- Bei den Lehrern ist die
Einsicht in der Regel vorhanden, dass Persönlichkeitsbildung ohne das
Zusammenwirken von Bindung und Freiraum nicht möglich ist. Behindert
wird das Gewähren von Freiräumen oftmals durch die Bürokratie, die
Regelungen für ein ganzes Land trifft, obgleich die örtlichen
Gegebenheiten unterschiedlich sind, die durch immer weitere
Perfektionierung der Prüfungsapparatur den Anschein erweckt, als ob die
messbaren Leistungen das allein Ausschlaggebende seien, die zuweilen
von Schulräten und Schulleitern vertreten wird, die aus einer eigenen
Unsicherheit heraus dem Lehrer die sinnvolle Nutzung des Freiraumes
nicht gestatten.
aus: Willy Potthoff, Grundformen des Unterrichts, Freiburg 1979, S. 11
- 14
-
- Lernzirkel
-
- In ihrem Dalton-Plan hatte Helen
Parkhurst 1920 Fachräume mit Selbstbildungsmaterialien ausgestattet,
die den Schüler über gezielte Arbeitsanweisungen zum selbstständigen
Durcharbeiten fachspezifischer Aufgabenstellungen anregten und
weitgehend selbstständige Kontrollen der Arbeitsergebnisse
ermöglichten. (Vgl. Parkhurst 1922 u. Schwerdt 1959) An diese
Arbeitsform knüpfen die heutigen Lernzirkel an.
- Ausgangspunkt der Arbeit ist
ein Themenbereich des Lehrplans. Der Unterrichtsstoff wird in kleinere
Arbeitsabschnitte aufgegliedert, mit denen der Schüler an verschiedenen
im Klassenzimmer aufgebauten „Stationen“ konfrontiert wird. Alle
Stationen sind didaktisch so aufbereitet, dass der Schüler die
geforderte Arbeit ohne direkte Hilfe des Lehrers leisten kann. Im
Allgemeinen werden die Aufgabenstellungen über schriftliche
Arbeitsanweisungen vermittelt. Jedoch kann das an den Stationen
ausgelegte Arbeitsmaterial auch selbst genügend Aufforderungscharakter
zum Sich-Befassen haben. Es ist anzustreben, die Stationen so
aufzubauen, dass möglichst viele Aufnahmekanäle des Schülers
angesprochen werden.
- Der Begriff „Lernzirkel“ deutet
darauf hin, dass seine Stationen von den Schülern in einer bestimmten
Reihenfolge aufgesucht werden müssen. Das ist aber nur dann zu fordern,
wenn die Stationen in einem logisch-systematischen Zusammenhang
zueinander stehen und die selbstständige Arbeit an einer Station ohne
die Ergebnisse aus den vorangestellten Stationen nicht möglich ist. Je
nach Themenbereich wird demnach die Bindung an eine bestimmte
Reihenfolge des Bearbeitens oder freie Wahl des Vorgehens festgesetzt.
- Die Stationen können auch
unterschiedliche Perspektiven oder unterschiedliche Bearbeitungsweisen
von Phänomenen repräsentieren. Dann kann der Schüler wählen, an welchen
Stationen er allein oder mit anderen arbeiten will, da er von jeder der
angebotenen Seiten zum Kern des Lernproblems vorstoßen kann.
- Die Arbeit mit Lernzirkeln ist
prinzipiell in allen Unterrichtsfächern möglich, jedoch immer nur - wie
ja auch die Freiarbeit - bei bestimmten Themenkomplexen oder
Lehrgangsstufen anderen Arbeitsformen überlegen. Lernzirkel können eine
sinnvolle Ergänzung der Freiarbeit sein. Mit ihnen wird von den
stofflichen Forderungen des Unterrichts ausgegangen. Die Interessen der
Schüler werden bei diesem Verfahren weit weniger berücksichtigt als in
der Freiarbeit.
-
- Lernzirkel und Freiarbeit
gleichen sich darin,
-
- - dass die unterschiedlichen
Lernmöglichkeiten der Schüler berücksichtigt werden,
-
- - dass Einzel-, Partner- oder
Kleingruppenarbeit ermöglicht wird,
-
- - dass nach Möglichkeit geistige
und manuelle Arbeit miteinander kombiniert werden,
-
- - dass mit den bereitgestellten
Materialien ohne Anleitung durch den Lehrer gearbeitet werden kann,
-
- - dass die Schüler ihre Arbeit
selbst kontrollieren können,
-
- - dass die Lehrkraft Zeit hat,
das einzelne Kind zu beobachten und ihm zu helfen, das Arbeitsverfahren
zu lernen.
-
Siehe auch: Archiv - Freiarbeit und Offener Unterricht - Lernzirkel
Lit.: Helen Parkhurst, Education on the Dalton-Plan, London 1922
Theodor Schwerdt, Kritische Didaktik, Paderborn 195912
- aus: Willy Potthoff, Grundlage
und Praxis der Freiarbeit, Freiburg 19955, S. 90 f.
-
- Freies
Schreiben
- Célestin
Freinet hat gezeigt, über welchen sprachlichen Reichtum Schüler
verfügen und zu welcher Ausdruckskraft sie fähig sind, wenn sie ihre
Aufsätze nicht auf Anordnung, sondern aus eigenem Antrieb schreiben.
(Vgl. Freinet, Die moderne französische Schule, S. 184 ff.) Bei seinem
Verfahren der „freien Texte“ soll jeder Schüler wöchentlich wenigstens
einen Aufsatz schreiben, dessen Thema er selbst bestimmt. Die Klasse
wählt dann jeweils einen der Aufsätze zum Drucken mit der eigenen
Druckerei aus, so dass im Laufe des Jahres vielseitige eindrucksvolle
Geschichtenbücher entstehen.
- Freinet
erkennt, dass die Schüler auch lernen müssen, zu vorgegebenen Themen zu
schreiben. Das erreicht er mit seiner Klassenkorrespondenz, bei der die
Schüler einer Partnerklasse des eigenen Landes zahlreiche Fragen zu den
unterschiedlichsten Bereichen stellen und damit eine hohe Motivation
zur Befassung mit den verschiedensten Sachverhalten und zum
schriftlichen Ausdruck schaffen.
- Wer die
heutige Praxis der Lehrer beobachtet, die mit „freien Texten“ arbeiten,
kann sich leicht von dem hohen Wert dieser Arbeit für den
muttersprachlichen Unterricht überzeugen. Natürlich klaffen auch hier
gelegentlich Ideal und Wirklichkeit auseinander. Nicht jede Schülerin
und nicht jeder Schüler hat überhaupt das Bedürfnis zu schreiben.
Deshalb wird in manchen Klassen die Blättersammlung „Schreib los!“ zur
Motivation eingesetzt, bei der Bilder und Reizwörter zum Schreiben
anregen sollen.
- Der
grundsätzliche Wert des Verfahrens der „freien Texte“ wird nicht
gemindert, wenn die Lehrkraft den Schülern, denen nichts einfällt,
worüber sie schreiben können, Aufgaben anbietet. Wolfgang Metzger hat
in seinem Buch „Die Grundlagen der Erziehung zu schöpferischer
Freiheit“ (Heidelberg 1963) wohl richtig gesehen, dass man den Schülern
keinen Gefallen tut, „wenn man sie nötigt, sich Einfälle abzuquälen.“
(S. 82) Auch bei großen Meisterwerken der Musik und der Bildenden
Kunst, an denen wir die überwältigende Kreativität der Künstler
bewundern, handelt es sich in zahlreichen Fällen um Auftragsarbeiten.
Wegen der Lehrplanforderungen wird die Lehrkraft ohnehin häufig das
Thema stellen müssen. Aber sie kann oftmals wenigstens Alternativthemen
anbieten und in manchen Fällen Einfälle der Schüler berücksichtigen und
damit den Unterricht partiell öffnen.
aus: Lernzirkel „Wege zur Öffnung des Unterrichts“,
Reformpädagogischer Verlag Jörg Potthoff
-
- Alternative
Interpretationsformen
-
- Immer noch
verpflichten viele Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler auf die
verbale Form des Interpretierens als einzige
Interpretationsmöglichkeit. Natürlich müssen alle Jungen und Mädchen
diese Form gründlich kennen und handhaben lernen. Ihnen sollte aber
auch die Möglichkeit eingeräumt werden, den Text durch selbstgefundene
Musik, durch einen selbstentwickelten Tanz, entsprechende Bewegung,
durch Malen und Formen oder Auswendiglernen zu interpretieren. Versuche
mit Sekundarstufenklassen haben gezeigt, dass die Lernbereitschaft
vieler Schüler deutlich zunimmt, wenn sie die ihnen gemäße oder die von
ihnen auf den Text bezogen geeignet erscheinende Interpretationsform
frei wählen konnten. Wir kommen mit diesem Verfahren den Interessen der
Schülerinnen und Schüler entgegen und schöpfen den Reichtum des Textes
auch besser aus.
-
- aus: Wege zur Öffnung ... (s. o.)
- Interpretieren
-
- Renate
Beyer-Lange berichtet, dass sie mit einem Grundkurs Deutsch, 12.
Jahrgang, ein „Malerbuch“ zum Werther angelegt hat. „Bei der Auswahl
der Textstellen ist interessant, dass sich die Schüler vor allem um
eine inhaltlich sinnvolle Zusammenstellung bemüht haben. Iris schreibt:
´Wir nahmen keine Rücksicht darauf, ob wir sie gut oder weniger gut
malen konnten. Das Buch sollte einfach den Weg und die Zusammenhänge
bis Werthers Tod wiedergeben. Wir haben unsere Textstellen so gewählt,
dass wenigstens die Beziehung zu Lotte deutlich wird.´“ (in: J. Gidion
u. a., Gestalten der Sprache, Weinheim und Basel 1987, S. 87)
-
- In der
Klasse von Ingrid von Engelhardt setzten sich die Schüler nach dem
Lesen und Diskutieren schreibend mit dem Werther auseinander. „Wie weit
werden sich die Schüler überhaupt auf die Möglichkeit einlassen, durch
Schreiben kreativ auf einen literarischen Text zu reagieren? Wird das
Schreiben für sie eine Möglichkeit sein, sich selbstständig mit dem
´Werther´ auseinanderzusetzen. Oder werden sich die Texte der Schüler
beim Schreiben verselbstständigen und zum Eigenzweck werden, während
die Auseinandersetzung mit dem Roman Goethes in den Hintergrund tritt?“
(a. a. O., S. 152)
- Die
Ergebnisse in dieser Klasse waren sehr beeindruckend. (Vgl. a. a. O.,
S. 153 ff.)
-
- aus: Wege zur Öffnung ... (s. o.)
- Alternative
Themen
-
- Viele
Lernziele lassen sich über die Arbeit an unterschiedlichen Themen
erreichen, und die Lehrpläne legen durchaus nicht immer die Themen
fest. Im Allgemeinen entscheidet die Lehrkraft aufgrund der Vorgaben in
den verwendeten Lehrbüchern, welches Thema aus der Mehrzahl möglicher
Themen ausgewählt und dann für alle Schüler der Klasse verpflichtend
gemacht wird.
- Wenn die
Schüler/innen aber selbstständiges Arbeiten gelernt haben und die bei
der Bearbeitung eines Stoffes anzuwendenden Arbeitstechniken
beherrschen, müssen sie keineswegs alle auf dasselbe Thema festgelegt
werden. Vielmehr kann ihnen ermöglicht werden, innerhalb eines
Rahmenthemas ihrem Interesse entsprechend an unterschiedlichen Themen
zu arbeiten, wie das bei der Gruppenarbeit nach dem Jena-Plan
selbstverständlich ist, und dabei doch dasselbe Lernziel zu erreichen.
- Wir folgen hier dem Gedanken des exemplarischen Lernens, dem ja die
Erkenntnis zugrunde liegt, dass das an einem Exemplum erkannte
Grundlegende auf eine Reihe ähnlich gelagerter Fälle übertragen werden
kann. Die Diskussion in der pädagogischen Literatur darüber, welches
für die Schüler einer bestimmten Altersstufe der für den Unterricht
geeignete Beispielsfall ist, geht von einem Durchschnittsschüler aus
und verstellt den Blick dafür, dass für die Schüler einer Klasse wegen
ihrer unterschiedlichen Lerngeschichten und ihres unterschiedlichen
Interesses auch unterschiedliche Fälle Beispielsfälle werden können.
- Das
Verfahren gelingt besonders gut, wenn ein Rahmenthema gesetzt werden
kann, innerhalb dessen die Schüler/innen allein oder in einer kleinen
Gruppe ganz nach ihrem besonderen Interesse und Vorwissen tätig werden
können. Jedes gewählte Thema bildet ein exemplarisches Ganzes, von dem
sich die Schülerpersönlichkeiten herausgefordert fühlen und bei
intensiver Arbeit zu grundlegenden Einsichten gelangen können. Keines
der Einzelthemen wird unter allen nur möglichen Perspektiven bearbeitet
und ist in seinem Ergebnis denn auch - wie das gelebte Leben selber -
perspektivisch. Aber die SchülerInnen wissen, weil sie sich auch für
die Arbeit der anderen Gruppen interessieren, um das Perspektivische
des eigenen Vorgehens und hören sich mit Interesse deren Berichte an.
-
aus: Wege zur Öffnung (s. o.)
- Partnerdiktate
-
- Partnerdiktate gehören vom 2.
Schuljahr an zu den Grundelementen der Freiarbeit. Das Verfahren wird
von den Kindern leicht gelernt, jedoch nicht von ihnen selbst gefunden.
Wenn wir ohne weitere Anweisung jeweils zwei Kinder gemeinsam Diktat
schreiben lassen, imitiert das diktierende Kind regelmäßig den Lehrer.
Es diktiert mehr oder weniger gut, sucht sorgfältig die Fehler heraus,
unterstreicht sie, zählt sie zusammen und fühlt sich ganz als
Hilfslehrer.
- Das alles ist aber gerade nicht
gewollt, wenn wir das Partnerdiktat empfehlen. Die beiden Schüler/innen
sollen vielmehr gemeinsam Verantwortung für die Richtigkeit des
geschriebenen Textes tragen. Und Rechtschreibfehler sollen im
Augenblick ihres Entstehens verhindert oder sofort korrigiert werden.
Ziel ist also stets der richtig geschriebene Text, der durch gemeinsame
Anstrengung der Partner zustande kommt.
- Indem wir das fordern,
veranlassen wir die Kinder zu einer sehr hohen Konzentration. Besonders
das diktierende Kind muss immer wieder sorgfältig das Geschriebene mit
der Textvorlage vergleichen.
- Das Verfahren wird in einer der
ersten Freiarbeitsstunden eingeübt, die in einer Klasse gemacht werden.
Wenn mehrere Lehrkräfte oder Studenten zugegen sind, machen zwei von
ihnen das Partnerdiktat als Rollenspiel vor. Sie sprechen flüsternd
miteinander, lesen die Textstücke betont deutlich, machen freundlich
darauf aufmerksam, wenn ein Fehler entsteht, fragen zurück, wenn sie
etwas nicht verstanden haben etc. Dieses Rollenspiel wird von den
Kindern, die zugeschaut haben, reflektiert. Danach versuchen alle diese
Arbeit. Falls die Lehrkraft allein mit ihrer Klasse ist, wenn das
Partnerdiktat eingeübt wird, beobachten die Kinder zwei Mitschüler bei
ihrem Versuch und kommentieren das Verfahren.
- Wo Freiarbeitsstunden mit
Partnerdiktaten begonnen werden, verläuft der Übergang zur Arbeit mit
anderen Materialien reibungslos, weil die Partnergruppen
unterschiedlich viel Zeit für ihre Arbeit brauchen. Somit kann an den
Regalen kein Gedränge entstehen.
- Bei längeren Diktaten markieren
wir durch einen Schrägstrich, wie viel Text bei einer Übung diktiert
werden sollte. Wir versuchen, die Abschnitte so zu bemessen, dass jedes
Kind etwa 10 Minuten schreibt und 10 Minuten diktiert.
- Die angebotenen Diktate
variieren im Schwierigkeitsgrad, so dass jedes Kind gefordert ist, ohne
überfordert zu sein.
- Nach unserem Prinzip der
„Materialarmut“ (Freinet, Montessori) stellen wir nur etwa fünf
Diktatvorlagen mehr ein als Partnergruppen gebildet werden.
- Die von der Lehrkraft
zusammengestellten Diktate lassen sich durch Partnerdiktate ergänzen,
die von Verlagen angeboten werden. Im Reformpädagogischen Verlag stehen
derzeit zur Verfügung:
- Leichte Partnerdiktate (LA oder
VA), Partnerdiktate (mittlerer Schwierigkeitsgrad /Druck /LA und VA),
Partnerdiktate (4./5. Schuljahr).
- Das oben beschriebene Verfahren
hat sich auch im Fremdsprachenunterricht bei Rechtschreibübungen
bewährt. Natürlich muss dabei den Schülern die Aussprache der
vorgegebenen Texte bekannt sein.
-
- aus: Grundlage und Praxis der
Freiarbeit (s. O.), S. 98 f.
-
- Eigenverantwortliche
Rechtschreibübungen
-
- Es wird von den
Rechtschreibfehlern ausgegangen, die in den Diktaten, den Aufsätzen der
Schüler, in ihren Sachkundearbeiten u. dgl. auftreten. Jeder Schüler
trägt die für ihn rechtschriftlich schwierigen Wörter in seine
persönliche Rechtschreibkartei ein, die aus kleinen Kärtchen besteht
und vom Schüler selbst aus alten Heftdeckeln gefertigt worden ist.
- Nachdem die richtige
Schreibweise mit Hilfe des Wörterbuches herausgefunden ist, wird das
Wort auf ein Kärtchen geschrieben, bei Verben in der Grundform und in
der Form, in der ein Fehler aufgetreten war. Bei Substantiven wird der
Plural hinzugesetzt usw. Auf der Rückseite erscheinen die schwierigen
Wörter im Zusammenhang eines Satzes. In der Freiarbeit übt jeder
Schüler die Wörter seiner Rechtschreibkartei, indem er sie abschreibt,
in Zusammenhängen verwendet usw. Gelegentlich diktieren sich die
Schüler in Partnerarbeit die Wörter ihrer Rechtschreibkarteien und
sondern die Karten mit den nunmehr beherrschten Wörtern aus.
- Es ist wünschenswert, nicht nur
als „Fehler“ aufgetretene Wörter in die Kartei aufzunehmen, sondern
auch jene, bei denen der Schüler Unsicherheit verspürt. Damit wird
nicht nur die Übung auf eine breitere Grundlage gestellt, sondern auch
die Tendenz abgeschwächt, den „Fehler“ als etwas Diskriminierendes,
Schlimmes, was eigentlich nicht passieren darf, zu verstehen.
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- Diese Form der Rechtschreibübung
hat sich auch im Fremdsprachenunterricht hervorragend bewährt.
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- aus: Wege zur Öffnung ... (s. o.)
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- Verzicht auf
Arbeitsblätter
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- Arbeitsblätter, wie sie derzeit
täglich in vielen Klassen eingesetzt werden, erfüllen in keiner Weise
die Anforderungen, die an ein gutes Arbeitsmaterial zu stellen sind.
Mit ihren schriftlichen Arbeitsanweisungen legen sie in einer Weise
fest, die der Schüler nicht aus der Sache begründet ansehen kann. Indem
sie den Schüler einseitig über den Intellekt ansprechen, geben sie ihm
zu wenig Möglichkeiten zum handelnden Tun und zur Beanspruchung seiner
Sinne und seines Gefühls.
- Selbstkontrolle ist im
Allgemeinen gar nicht möglich. Wo sie erfolgt, geschieht sie als
Innenschau ohne Nachprüfbarkeit mit den Sinnen.
Die Mängel des Arbeitsblattes:
- l. Arbeitsblätter sind in Form
und Farbe so wenig ansprechend und auf Dauer so einförmig, dass sie
Schüler wenig zu ausdauernder selbstständiger Arbeit motivieren.
- 2. Wegen der geringen und wenig
spezifischen Motivationskraft des Arbeitsblattes müssen viele
Arbeitsanweisungen erfolgen, die der Schüler als Gängelung empfindet.
- 3. Das Arbeitsblatt wendet sich
zu einseitig an den Intellekt des Schülers. Es ermöglicht weder Handeln
noch Erfahrungen über sinnliche Wahrnehmung.
- 4. Arbeitsblätter sind nicht
auf mehrfaches Wiederholen des Lerngangs hin konzipiert und lassen
Wiederholungen in den meisten Fällen gar nicht zu.
- 5. Arbeitsblätter sind
Wegwerfprodukte und führen Schüler nicht zu der Einsicht, dass es sich
lohnt, das Bearbeitete länger festzuhalten.
- 6. Arbeitsblätter werden für
die ganze Klasse herausgegeben und sind zu wenig an den
Lernbedürfnissen des einzelnen Kindes orientiert.
- Ein Kind, dessen Lernbedürfnis
auf ein sachgerecht aufbereitetes Material trifft, bedarf keines
Hinweises auf Ziel und Teilziele. Es beginnt aus einem inneren
Bedürfnis heraus mit der Arbeit und führt sie sachgerecht aus, weil das
Material lenkt und korrigiert. Dieses Kind wird sich zunehmend darauf
einstellen, seinen Arbeits- und Denkweg an sachlichen Kriterien zu
überprüfen und somit sachgerecht arbeiten. Das Arbeitsblatt und jede
schriftliche Arbeitsanweisung, mit der das Nicht-Vorhandensein oder die
Unbestimmtheit des Materials überbrückt wird, muss dem Kind willkürlich
erscheinen und bringt es in zunehmende Abhängigkeit vom Lehrer, aus der
es sich doch gerade lösen soll.
-
- Peter Petersen stellt
insbesondere folgende Anforderungen an das Arbeitsmittel:
- (Führungslehre des Unterrichts,
Braunschweig 1959, S. 193 f.)
-
- „a) Es muss Anreize enthalten,
sich mit ihm zu beschäftigen, damit zu arbeiten.
-
- b) Das Kind muss erkennen können,
was es damit tun soll, mindestens dann mit Leichtigkeit, wenn das
Arbeitsmittel gegeben, eingeführt ward.
-
- c) Das Kind muss am
Arbeitsmittel, nötigenfalls, neben dem rechten Gebrauch die rechte
Verwendung und Lösung selber feststellen können, d. h. echte
Arbeitsmittel enthalten gleichzeitig die Mittel zur K o n t r o l l e
ihrer richtigen Verwendung. ...
-
- d) Das Arbeitsmittel muss Anreize
enthalten zu vielen Wiederholungen, ...
- e) Anreize
zum Weitergehen zu anderen Arbeitsmitteln; es muss von sich aus
weiterführen ...“
-
aus: Grundlage und Praxis ... (s. o.), S. 101 f.
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